Seit Corona entscheidend: Das Delta für die Beschaffung elektronischer Bauteile – Interview

Zwei Beschaffungsprofis für den Elektronik-Markt:
Interview mit Susanne Gujber und Michael Geirhos
vom Entwicklungs- und Fertigungsdienstleister BMK

Zur herausfordernden Situation am Beschaffungsmarkt für elektronische Bauteile habe ich für das Magazin Technik + Einkauf den Entwicklungs- und Fertigungsdienstleister BMK interviewt.

Schwieriger Beschaffungsmarkt

Schon vor Corona war der Markt für elektronische Bauteile durch Übernahmen, Aufkäufe und die Konsolidierung der Vertriebsnetzwerke auf Herstellerseite gekennzeichnet. Hinzu kommen immer wieder Allokationen und Hersteller, die sich eher auf den Consumer- und Smartphonemarkt als auf die besonderen Anforderungen von Industriekunden verstehen. Vom steigenden Bedarf an elektronischen Bauteilen durch die Elektromobilität ganz zu schweigen.

Ziel: Stabile Lieferketten

Im Sandwich zwischen Kunden und Fabs stehen für BMK Susanne Gujber und Michael Geirhos, die die elektronischen Bauteile weltweit im Kundenauftrag für Industriekunden und OEM beschaffen.

Beide sagten mir im Interview mit Technik + Einkauf: Für eine stabile Lieferkette ist die Auswahl der Bauteile, das Design und die Zusammenarbeit mit den Kunden genauso entscheidend wie die enge Einbindung der Lieferanten.

Gut durch die Krise kommen

Ihre Einschätzung und die langjährigen guten Beziehungen zu ihren Lieferanten machen sich sicher auch in der Lieferkrise rund um die Corona-Pandemie bezahlt.

Lesen Sie hier das komplette Interview

Warengruppen im Einkauf: Dieses Dogma löst sich gerade auf

Warengruppe adé: Löst sich hier ein Dogma auf? Das diskutiere ich mit Experten in der April-Ausgabe von Beschaffung Aktuell.

Beispiele R+V und Körber AG

Der Einkauf der R+V Versicherung organisiert sich nach Kunden. In Technologiekonzernen wie der Körber AG gewinnt der Projekteinkauf an Bedeutung. Der Strategische Einkauf wird arbeitsteiliger und der Mehrwert entsteht nicht mehr allein durch Bündelung. Brauchen Unternehmen überhaupt noch ein Warengruppenmanagement? Verlieren Lead-Buyer-Strukturen im Zuge der Agilisierung des Einkaufs an Bedeutung?

Das habe ich für das Magazin Beschaffung Aktuell Einkaufsleiter, Hochschulprofessoren und Berater gefragt. Sie alle kommen zu einem überraschenden Ergebnis:

Einkauf wird Kundenversteher

Das, was die internen Kunden brauchen, passt nicht durchgängig zum Warengruppenfokus, mit dem der Strategische Einkauf auf den Einkaufsprozess blickt. Hinzu kommt: Vergaben, die neben dem sonstigen Tagesgeschäft im Strategischen Einkauf sauber aufgesetzt werden, brauchen aus Sicht der Fachbereiche oft zu lange und sind nicht immer
zielführend.

Deshalb machen sich Einkaufsorganisationen heute auf zu Customer Journeys und technische Einkäufer werden zu Kundenverstehern. Welche Vor- und Nachteile das Warengruppenmanagement versus dem stärkerem Projektfokus hat und wann was sinnvoll ist, das erfahren Sie in der Aprilausgabe von Beschaffung Aktuell. Das PDF gibt’s gleich hier:

Wer braucht noch Warengruppen? PDF

Die Narrative der Wirtschaft in Krisenzeiten: Können wir auch anders?

Liefert erstaunliche Erkenntnisse: „Narrative Wirtschaft“ von Robert J. Shiller (Plassen 2019)

Dieser Tage landete ein Buch auf meinem Schreibtisch, das man – wie vieles seit dem Corona-Orkan – plötzlich mit einem anderen Blick betrachtet. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Robert J. Shiller schreibt darin über die Narrative der Wirtschaft. Sein verhaltensökonomischer Ansatz erklärt, welche populären Geschichten (Narrative) unser Verhalten und die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen und wie wir diese Erkenntnisse nutzen können.

Hängengeblieben bin ich an einem Bericht aus der New York Times von 1932, den Robert Shiller unter vielen anderen Geschichten und Beispielen aus Krisenzeiten zitiert. Damals schrieb die Journalistin Anne O’Hare Mc Cormick:

„Es gibt Zeiten, in denen die Selbstgefälligkeit, der schroffe Egoismus und die Gier der Mitbürger nach Prahlerei schwer zu ertragen sind. Das ist in diesen Zeiten nicht so. Liegt der Markt am Boden, sind wir viel netter, als wenn es boomt. Die Hauptstraße ist während einer Weltwirtschaftskrise die netteste Nachbarschaft der Welt. Alle sind geduldig, wenn man durch sie hindurchfährt.“

Anne O’Hare Mc Cormick: The Average American Emerges“ New York Times, 3. Januar 1932

Braucht es Krisen, damit wir netter zueinander sind?

Braucht es tatsächlich Krisen, damit wir freundlich mit unseren Mitmenschen sind? Den parkenden Rettungswagen nicht anpöbeln, in der Behörde nicht rumprohlen, den Lieferservice nicht anmeckern und im Netz nicht ausfällig werden…?! Braucht es einen Shutdown, damit wir umgänglich miteinander sind und unsere Empathie sich nicht nur auf Leute beschränkt, die zum „Inner Circle“ gehören? Gilt dieses Narrativ tatsächlich nur für Krisen?

Wie bewahren wir das Positive?

Robert Shiller lässt sich zu dieser Frage nicht näher aus. Er beschreibt den Wandel und untersucht auch das Sparsamkeits-Narrativ, das in Krisen ebenso entsteht und sie deutlich verlängern kann: Plötzlich wird Bescheidenheit schick und bewusster Konsum selbstverständlich.

Verhält es sich bei dieser Krise, an deren Anfang wir erst stehen, genauso, wird die spannende Frage sein, ob und wie wir diese positiven Narrative in den Nach-Krisen-Modus retten wollen und können. Denn eines belegt Robert Shiller sehr detailliert: Die Geschichten, die wir uns erzählen, beeinflussen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln enorm.

Vielleicht gilt es deshalb schon jetzt zwei neue, zeitgemäße Narrative zu entwickeln, die davon berichten, dass wir Mitmenschen genauso hilfsbereit und nachsichtig begegnen können, wenn es uns gut geht. Und dass bewusster Konsum nicht nur ein ökologisches Gebot, sondern auch ein funktionierendes Modell für wirtschaftliche Entwicklung sein kann.

Unternehmensführung und Organisation im Handwerk

Empfiehlt allen, die Land unter haben, eine Auszeit: Cordula Nussbaum
(Foto: R. Fastner/Cordula Nussbaum)
Gewann mit dem richtigen Fokus den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für ihr Unternehmen: Katja Hobler, Natursteine Glöckner
(Foto: Deutscher Nachhaltigkeitspreis)

Das Beste an meinem Beruf als Journalistin ist, dass ich so viele unterschiedliche und interessante Menschen kennen lernen darf. Interessante Begegnungen und Gespräche habe ich immer wieder im Handwerk. Ihren „Purpose“, den viele Großunternehmen heute ja beinahe verzweifelt suchen, müssen Unternehmer im Handwerk gar nicht finden. Der ist und war irgendwie schon immer da und wird im Idealfall mit viel Herz und Hirn und Blick für die Zukunft weiterverfolgt.

Die Kunst der Delegation

Genau das macht Katja Hobler. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann Markus Glöckner ein Natursteinunternehmen im Saarland. Mit ihr habe ich mich für das Magazin STEIN über das berühmt-berüchtigte Hamsterrad unterhalten, in dem sich Führungskräfte und Unternehmer im Alltag schon mal wiederfinden. Dabei geht das Unternehmerpaar sehr nachhaltig und fokussiert ans Werk. Die beiden teilen Wissen und Verantwortung mit dem Team und haben ihre Mitarbeiter agil eingebunden, lange bevor das Buzzword erfunden wurde. Das Unternehmen ist in Sachen Digitalisierung vorne mit dabei und hat 2019 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie KMU gewonnen. Auch mit ihrer Zeit gehen Katja Hobler und ihr Mann sehr bewusst und nachhaltig um. „Das kann nur der Chef, das kann nur die Chefin“, diesen Satz gibt es bei dem Natursteinverarbeiter nicht. Und deshalb ist es völlig selbstverständlich, dass sich das Unternehmerpaar trotz voller Auftragsbücher und gefüllter Terminkalender immer wieder Auszeiten nimmt.

Was empfehlen die Experten?

Befragt habe ich für den Beitrag zum Thema Organisation und Unternehmensführung außerdem die deutsche Expertin für Selbst- und Zeitmanagement, Cordula Nussbaum. Ihre Empfehlungen für mehr Zeit, Gelassenheit und Erfolg im (Berufs)Leben sind nicht nur für UnternehmerInnen lesenswert! Das PDF mit ihrem Interview und dem Bericht über Natursteine Glöckner finden Sie hier:

New Work: Interview mit Ingrid Gerstbach

Mit Ingrid Gerstbach habe ich über die neuen Arbeitsformen gesprochen.

Für den BME habe ich die Wirtschaftspsychologin und Expertin für Design Thinking Ingrid Gerstbach zum Thema New Work interviewt. „Was bringen die angesagten neuen Arbeitsformen, wo stoßen sie an Grenzen?“, habe ich sie gefragt.

Sie sagt: Es geht weniger um die Methoden, als um den Mindset. Agile Methoden wie Scrum, Design Thinking oder Kanban könne jeder lernen, mit einer neuen Geisteshaltung sei das nicht ganz so einfach. Die kommt auch nicht unbedingt daher, wenn alle Turnschuhe tragen und jeden Tag an einem anderen Schreibtisch sitzen. Das sei eh nicht jedermanns und jederfraus Sache. Oftmals lande die eigene Tasche und Jacke dann doch wieder auf demselben Stuhl – so wie im Urlaub das Handtuch jeden Morgen auf derselben Liege.

Neue Heimat Kaffeeküche?!

Als Psychologin sieht Ingrid Gerstbach allerdings auch das pragmatisch, weil sie weiß, wer eine Heimat (den Schreibtisch, das feste Team) verliert, braucht eine neue, sonst zieht er nur wiederwillig um. Im Idealfall sind das die neuen Kommunikationszonen. Die Kaffeeküche als Szenetreff. Denn, das betont Gerstbach: Räume machen etwas mit Menschen und deshalb können auch kleine Veränderungen viel bringen. Trotzdem empfiehlt sie: Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Aus einem eher konservativen Unternehmen mit traditionellen Strukturen wird nicht über Nacht ein Start-up. Muss es auch gar nicht.

Nach meinem mittlerweile zweiten Interview mit Ingrid Gerstbach kann ich auf jeden Fall sagen: Auch der Austausch mit ihr bringt so manches in Bewegung. Ein neuer Mindset entsteht eben doch im Austausch.

Das komplette Gespräch finden Sie HIER

Mehr von mir zum Thema New Work, Agilität und Kundenzentrierung im Einkauf lesen Sie auch in der aktuellen BIP – Best in Procurement . Den dort veröffentlichten Beitrag gibt es demnächst hier im Blog.

118 Vorträge für 1800 Einkäufer in Berlin: Es war mal wieder BME-Symposium

 

Alle Jahre wieder – und doch immer wieder neu: Am Freitag, 15.11. ging für 1800 Teilnehmer nach drei Tagen das 54. #BMESymposium in Berlin zu Ende. Ich selbst war zum neunten Mal dabei.

Die Veranstaltung, in diesem Jahr unter dem Motto #pacesetter und mit neuem Dresscode (Smart Casual), hat sich gewandelt und muss natürlich auch selbst Schritt halten mit dem Tempo, mit dem in den Unternehmen gerade unzählige, zuvor selbstverständliche Dogmen, Ziele und Vorgaben in Fragen gestellt werden. Auch im Einkauf, der zunehmen agil und damit deutlich mehr kunden- statt nur warengruppenorientiert arbeiten wird.

Meine Erkenntnisse aus diesen drei wie immer vollgepackten Tagen (allein 118 Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen) diskutiere ich im Video mit Tobias Anslinger, geschätzter Kollege und Chefredakteur des BME-Magazins BIP, in dessen Redaktion ich regelmäßig meinen Input gebe. Viel Spaß beim Anschauen!

 

 

 

Braucht Deutschland eine Batteriezellen-Produktion?

Diskussion im aktuellen Heft von Beschaffung Aktuell: Brauchen wir eine eigene Batteriezellen-Fertigung?

Die Elektromobilität stellt die automobile Wertschöpfung auf den Kopf. Zentrales Bauteil ist die Batterie. Deren Performance hängt an den Zellen. Noch hält die deutsche Industrie sich bei der Zellfertigung zurück. Doch das soll sich ändern. Für das Magazin Beschaffung Aktuell habe ich nachgefragt,  warum das für die Liefer- und Leistungskette Sinn macht.

Gesprochen habe ich hierfür unterem anderem mit dem Lithium Spezialisten Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) und dem Batterie-Spezialisten Prof. Dr. Kai-Peter Birke von der Universität Stuttgart. Dieser sagt: „Die Batteriezelle wird ein Massenmarkt, den man bedienen sollte! Das ist auch für den Einkauf von Bedeutung.“ Die komplette Analyse finden Sie online hier:

Beitrag Batteriezellen Beschaffung Aktuell

Industrie 4.0 – Nicht reden, tun!

Es gibt Unternehmen, da lohnt es sich, mehr als ein Mal hinzuschauen. Weil man dort vieles von dem, über das andernorts vor allem geredet wird, mit Hochdruck zeitnah umsetzt. ASM Assembly Systems ist Hersteller von Bestückungsautomaten für die Leiterplattenproduktion und als solcher global nicht gerade in einem einfachen Marktumfeld unterwegs. Aber welcher Markt ist heute schon einfach. Lean ist man deshalb im Stammwerk in München schon lange, dann wurde die ehemalige Siemens-Fertigung  (heute im Besitz der ASM Pacific Technology Limited, Hongkong) durch intelligente Werkerführung und kollaboratives Roboting smart. 2018 ist die weltweite Produktion und Lieferkette dran. Nachzulesen ist das Musterbeispiel in Sachen Industrie 4.0 im BME-Magazin BIP und im Beschaffungsmagazin Technik + Einkauf. Meine Texte zum Download gibt’s hier:

T+E_Dialog_ASM              BIP_2017_02_ASM

Manufakturen: Was ist Luxus?

Der Bau von Luxusyachten wie diesem Trimaran beschäftigt viele Gewerke. Auch deutsche Natursteinunternehmen sind weltweit im Luxussegment erfolgreich.

Was unterscheidet Premium von Luxus? Wie definiert man Luxus, wo der Luxuskonsum stetig steigt und der Markt für Luxusgüter auch jüngst wieder satte Zuwachsraten zu verzeichnen hat. Und, deshalb beschäftige ich mich aktuell damit: Was können Deutschlands Manufakturen – sprich das Handwerk – in ihrem Markenauftritt davon lernen? Darüber habe ich heute mit Prof. Dr. Verena König, Deutschlands führender Autorin auf dem Gebiet der Luxusmarkenführung gesprochen. Die Lehrstuhlinhaberin an der Dualen Hochschule Mannheim beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Phänomen Luxus und kennt den Unterschied zwischen einer echten Diva (dem Luxuslabel) und den vielen Stars (den Premiummarken) genau. Nachzulesen 2018 in STEIN. Im Magazin stellen wir zudem ein erfolgreiches  Natursteinunternehmen vor, das echte Luxusmärkte bedient. Sein Fokus: Yachten und Luxusresidenzen mit wunderschönen Natursteinböden, Wandverkleidungen und Wellnessoasen auszustatten.